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Wie Stablecoins die Welt verändern Erster Teil: Ein Milchshake und spekulative Angriffe Im Jahre 2018 stellte Brent Johnson, CEO des Investmentfonds Santiago Capital, in einem Interview mit Real Vision seine Dollar-Milkshake-Theorie vor. Sie besagt, dass durch die relativ hohen Zinsen der US Notenbank (im Vergleich zu denen anderer Länder) das globale Kapital wie durch einen gigantischen Strohhalm in den US-Dollar gesaugt wird, wodurch dieser an Wert gewinnt, während die Auslandswährungen unter Abwertungsdruck (im Verhältnis zum Dollar) stünden. Dieser Effekt ist ebenfalls Teil von Gresham's Gesetz, welches besagt, dass, wenn in einem Markt zwei Währungen existieren, die wertstabilere, gute Währung zurückgehalten (d.h. gespart) wird, während die "wertlosere", schlechte Währung ausgegeben wird - und dabei weiter inflationiert bzw. entwertet. Der Dollar Milkshake wirkt damit wie ein globaler Gresham-Effekt, der erstmals im 16. Jahrhundert von Sir Thomas Gresham beschrieben wurde, da der US Dollar global gehandelt wird und damit sein Währungsraum auf die ganze Welt ausdehnt. Gleichzeitig ermöglicht der Milkshake spekulative Angriffe, die die geringere Stabilität der schlechten Währung ausnutzt und diese weiter destabilisiert, was letztendlich zu einer weiteren Stärkung des Dollars führt und damit den Milkshake-Effekt bzw. die Erfordernis in Dollar zu sparen, weiter fördert. Bei einer spekulativen Attacke wird ein Kredit in einer schwachen Währung aufgenommen und in eine stärkere Währung investiert. Meist werden hierfür US-Staatsanleihen verwendet, da diese neben der Währungsstabilität auch noch Zinsen bieten. Durch die Abwertung der schlechten Währung über den Kreditzeitraum kann dieser leicht durch die Stabilität (und evtl. höheren Zinsen der US Anleihen) zurückgezahlt werden, wobei die Differenz aus Kreditkosten und Abwertung als Gewinn einbehalten wird. Wenn Länder, die einer solchen Attacke ausgesetzt sind, nicht genug Dollar erwirtschaften, um ihre ausländischen Schulden zu bedienen, müssen sie Devisen am Markt kaufen – was sie mittels Verkauf der eigenen Währung tun, die dann weiter abwertet. Spekulanten erkennen diese Schwäche und wetten gegen die betroffene Währung. Diese Angriffe verstärken den Abwertungsdruck und beschleunigen eine mögliche Krise. Der Dollar profitiert dann noch einmal – und zwar dadurch, dass er als sicherer Hafen angesehen wird. Solange der Dollar als globaler Reserve- und Handelswährung dient, bleibt der "Milkshake" intakt, selbst wenn Einzelstaaten wie China oder Indien Teile ihres Handels in anderen oder eigenen Währungen abwickeln. Zweiter Teil: Enter Stablecoins und die Ausbreitung des Dollar-Währungsraums auf den Cyberspace In Zeiten globaler Unsicherheit flüchten Anleger in den US-Dollar. Stablecoins, von denen in Dollar denominierte Einheiten die Mehrheit ausmachen, wirken dabei wie eine digitale Verlängerung des Strohhalms, denn sie ermöglichen es Nutzern weltweit, innerhalb von Sekunden in "digitale Dollar" zu flüchten – ohne Bankkonto, ohne Grenzen. In Ländern mit instabilen Währungen werden Stablecoins zunehmend als digitale Wertspeicher genutzt, um Inflation und Kapitalverluste zu entgehen. So verbreitet sich der "Milkshake" nun auch über die Blockchain in den Cyberspace. In seinem Buch "Softwar" identifiziert Autor Jason P. Lowery, Major der US Space Force, den Cyberspace als eine neue Domäne (ähnlich wie die Luft im vergangenen Jahrhundert), in der eine Machtprojektion (Demonstration der Stärke) erforderlich werden kann. Über die Stablecoins erobert der US-Dollar diese neue Domäne praktisch ungehindert. Da der Cyberspace die ganze Welt verbindet, von keiner Macht wirklich abgeschaltet werden kann und durch die Vernetzung neuer Geräte ständig weiter wächst, wächst damit auch der Währungsraum des Dollars stetig weiter. Die Inflation des Dollars wird für die Nutzer weniger spürbar als bei anderen Währungen, da diese durch Wachstum des Währungsraums (und der Nutzer) viel besser verteilt wird. Und je größer das (Zahlungs-)Netzwerk, desto wahrscheinlicher, dass es seine Konkurrenz (in diesem Falle Währungen wie Euro und co) schluckt. Wir haben dies bereits bei StudiVZ und Facebook gesehen. Stablecoins: von Stabilität zur Sicherheit und Krediten Wenn auch Stablecoins im Rahmen der Milkshake-Theorie als Stabilitätsanker gesehen wurden, wird die Stabilität von Stablecoins schon soweit anerkannt, dass sie als Sicherheiten angesehen werden können. Stablecoins gewinnen zunehmend Einzug in die reale Welt der Finanzen, insbesondere als Sicherheit für Kredite außerhalb des krypto-eigenen DeFi-Sektors. Institutionelle Akteure nutzen dollar-gekoppelte Stablecoins als Sicherheit für kurzfristige Finanzierungen und Geldmarktfonds, da sie rund um die Uhr abwickelbar und transparent sind - letztendlich sind die Stablecoins ja nichts anderes als eine digitale Abbildung einer Staatsanleihe, die selbst eine Sicherheit darstellt und nur von einer dritten Partei verwahrt wird. Stablecoins könnten darüber hinaus die klassische Kreditkarte langfristig ergänzen oder sogar ersetzen. Zahlungsanbieter wie **Circle** (Emittent von USDC) oder **Tether** arbeiten bereits an Lösungen, bei denen Stablecoins direkt über Karten abgewickelt werden – ähnlich wie heute Kreditkartenzahlungen. Der Vorteil: Geringere Gebühren, schnellere Abwicklung und keine Abhängigkeit von zentralen Zahlungsnetzwerken wie Visa oder Mastercard. All diese Verbreitungseffekte fußen auf einer Stärke und Ausbreitung des Dollars sowie der Tatsache, dass dieser als globale Reservewährung bestehen bleibt. Die Stablecoins profitieren dabei von ihrer quasi per Gesetz erzwungenen Deckung durch US-Staatsanleihen, was die Finanzierung der US-Regierung stützt. Aber warum in zinslose Stablecoins investieren, wenn US-Staatsanleihen auch in Dollar denominiert sind und darüber hinaus noch Zinsen bringen? Dritter Teil: Das FIAT-Endspiel und Bitcoin als Schwarzes Loch Obgleich Stablecoins selbst keine Zinsen einbringen, stellen sie "geparktes" Kapital dar, das jederzeit in "Bitcoin" investiert werden kann. Bitcoin erzielt über lange Zeiträume eine mittlere jährliche Wachstumsrate im zweistelligen Bereich, während US Staatsanleihen im unteren einstelligen Bereich liegen. Eine kurzfristige Investition in Bitcoin kann damit langjährige Investments in US Staatsanleihen leicht outperformen. Ich betrachte daher Stablecoins als ein Vehikel, welches über Greshams Gesetz und der Dollar-Milkshake Theorie sämtliche Währungen nach und nach dollarisiert und in den Blockchain-Cyberspace transferiert. Ab diesem Punkt ist der Dollar zu einem Giganten herangewachsen, wird dort aber auf einen weiteren Giganten treffen, der diese Domäne bereits dominiert hatte, bevor der Dollar sich hierhin ausgebreitet hatte: Bitcoin. In Softwar wird Bitcoin als das größte Proof-of-Work Netzwerk dargestellt. Bitcoin nutzt reale elektrische Energie, um digitale Bits, d.h. die kleinsten Bereiche des Cyberspace, abzusichern. Diese Verankerung in der wirklichen Welt macht Angriffe auf das Netzwerk extrem kostspielig für feindliche Akteure (wie Staaten) und schafft eine unüberwindbare Sicherheitsschicht. Lowery sieht Bitcoin als potenziell sichere Basis für ein neues Internet, auf dem Daten, Identitäten und kritische Infrastrukturen vor Angriffen geschützt werden könnten. Damit stellt Bitcoin die ultimative Sicherheit dar, da es das größte Netzwerk der neuen Domäne, auf die sich der Dollar ausgebreitet hat und auf die er dann angewiesen sein wird, letztendlich selbst absichert. Das heißt, nachdem die Welt dollarisiert wurde und mit digitalen Token und Blockchains vertraut ist, könnte die globale, in Stablecoins gebundene Liquidität ein weiteres Mal über einen gigantischen Strohhalm in Bitcoin gezogen werden. Bitcoin funktioniert dann wie ein gigantisches "Schwarzes Loch" und verschlingt die letzte der FIAT-Regierungswährungen (den US-Dollar). Ab diesem Punkt ist eine Bepreisung des Bitcoins in Euro oder Dollar nicht mehr möglich, da der Euro bereits aufgehört hat zu existieren und der Dollar durch eine spekulative Attacke von Bitcoin dauerhaft abwerten wird. An diesem Event-Horizon (Punkt ohne Rückkehr) - um bei dem Weltraum-Sprachbild zu bleiben - wird die US-Regierung zerbrechen und die Menschheit auf den technologisch-deflationären Bitcoin Standard wechseln - bei der vielleicht eine global gesicherte, dezentrale KI bzw. ein solcher Algorithmus sämtliche Politiker und Bänker ersetzen wird.

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