Was ist "Wert"? Teil 1 - Geld und Währung Im ersten Teil seiner Dokumentationsserie "Hidden Secrets of Money" geht Mike Maloney auf den Unterschied zwischen den beiden Begriffen "Geld" und "Währung" ein. Bevor ich 2017 das erste Mal über diese Dokumentation gestolpert bin, war mir der Unterschied zwischen diesen Wörtern nicht bewusst. Eine ähnliche strikte Abgrenzung möchte ich nun zwischen den beiden Wörtern "Preis" und "Wert" treffen. Für die meisten ist es offensichtlich, dass es einen Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen gibt. Interessanterweise startet Alan Hibbard, der eng mit Mike Maloney zusammenarbeitet, in Kürze ebenfalls eine Dokuserie mit dem Titel "Hidden Secrets of Value", die zum Zeitpunkt dieses Blogposts noch nicht erschienen ist. Die Ankündigung der Serie hat mir den Anstoß gegeben, über den Begriff "Wert" nachzudenken und ihn für mich zum ersten Mal überhaupt zu definieren. Oder es zumindest zu versuchen. *Dieser Blogpost soll keine wissenschaftliche bzw. philosophische Abhandlung sein und erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder darauf, zu einem finalen Ergebnis zu kommen.* Stattdessen soll er nur meine bis hierhin gesammelten Ergebnisse enthalten und dir einen Anreiz bieten, selbst über den Begriff "Wert" nachzudenken, um vielleicht zu anderen oder tieferen Erkenntnissen zu kommen... Teil 2 - Wert und Preis *"Heute kennt man von allem den Preis, von nichts den Wert."* - Oscar Wilde Heutzutage, in unserer globalisierten Welt, ist es sehr leicht, von fast allem den Preis herauszufinden. Teilweise ändert sich der an den Börsen gehandelte Preis von Rohstoffen sogar im Sekundentakt. Doch was sagt der Preis über den Wert einer Sache aus, oder wie spiegelt sich der Wert im Preis wider? Oder spiegelt sich der Preis im Wert wider? Was bedeuten diese beiden Begriffe eigentlich genau? ***Der Preis*** *ist diejenige Menge an Währung (oder eines anderen Guts), die für den Erhalt einer Ware oder Dienstleistung mindestens aufgebracht werden muss.* Der Preis spiegelt dabei eine Vielzahl von Informationen wie Beschaffungskosten der Eingänge, Energie-, Arbeits-, Lager- und Transportkosten, etc. in einer einzigen Kennzahl wider. Damit ist der Preis als ökonomische Kennzahl leicht zu definieren. Bei dem Begriff "Wert" wird es schon schwieriger. Ich persönlich habe nach reichlicher Überlegung folgende Definition für "Wert" für mich aufgstellt, die ich hier als Vorschlag einmal teilen möchte: *Der Wert einer Sache/Dienstleistung etc. ist ein Maß für* *1) seine/ihre Nützlichkeit in einer bestimmten, gegebenen und objektiven Situation* *2) seine/ihre Fähigkeit, immaterielle Bedürfnisse zu befriedigen* *3) seine Fähigkeit, bestimmte Eigenschaften/Anforderungen zu erfüllen.* *Die Anforderungen, nach denen gemessen wird, können sowohl subjektiv (immaterielle Bedürfnisse) als auch objektiv (nach bestimmten Regeln) sein.* Gerade hierdurch unterscheiden sich die Begriffe "Preis" und "Wert" besonders, denn während Preise aus objektiven Kennzahlen abgeleitet werden, kann der Wert auch subjektiv sein. Es gibt vielleicht Dinge, auf die wir uns einigen können, dass sie wertvoll sind: zum Beispiel Gold. Von manch anderen Dingen wie zum Beispiel "Kunst", "Bitcoin" oder "Pokemonkarten" können wir jedoch ein unterschiedliches "Wertempfinden" haben. Liest man die drei obigen Punkte meiner Definition durch und fasst sie zusammen, könnten alle unter dem Begriff "Nützlichkeit" fallen. Ich definiere "Wert" also als Maß für "Nützlichkeit", wobei der Nutzen "materiell", oder "immateriell" und dabei gleichzeitig sowohl subjektiv als auch objektiv sein kann. 1) Nützlichkeit in einer bestimmten Situation Meine Gedanken zum Thema "Wert" begannen mit der Frage: Wann definiert man etwas als wertvoll? Ich habe mich dabei gefragt, wann ich früher etwas als "wertvoll" bezeichnet habe. Eine exakte Definition für "Wert" ist mir nicht beigebracht worden. Also habe ich den Begriff "Wert" benutzt, wenn ich halt etwas für "wertvoll" empfunden habe. Empfindungen folgen aber keiner überprüfbaren und reproduzierbaren Regel. Also musste aus Alltagsbeispielen ein Muster gefunden werden. Da ich früher viel mit Pokemonkarten gespielt habe, möchte ich das Beispiel der **Nützlichkeit** und des **subjektiven Werts** an Pokemonkarten verdeutlichen, da ich der Ansicht bin, dass dies sehr anschaulich ist. Dass Pokemonkarten einen subjektiven Wert haben, sollte wohl jedem klar sein. Wer sich nicht in der Pokemonwelt auskennt, für den haben diese Pappkarten alle denselben Wert - nämlich höchstens den der Pappe. Für diejenigen, die das Sammelkartenspiel beherrschen, haben die Karten unterschiedliche Nützlichkeit, wenn man die Spielregeln zugrunde legt. Dadurch haben sie selbstverständlich auch einen unterschiedlichen Wert, selbst wenn sie alle aus denselben Material bestehen. Sehen wir uns hierfür kurz die beiden Karten vom Vogelpokemon "Taubsi" und dem Boxer "Nockchan" an:
Taubsi verfügt über 40 KP, Nockchan über 70 KP, gleichzeitig benötigt Nockchan nur eine Energie um einen Angriff zu starten, der 20 Schaden verursacht, während Taubsi zwei Energie für einen Angriff benötigt, der 10 Schaden verursacht. Im Spiel ist Nockchan also viel nützlicher als Taubsi und damit - unter Anwendung der Spielkriterien - wertvoller. Die höhere Nützlichkeit Nockchans spiegelt sich in einer weiteren Eigenschaft wider: **Seltenheit.** Darauf wollen wir aber später eingehen. Schließlich kann es auch andere Dinge geben, die nicht selten sind, aber sehr nützlich sein können - zum Beispiel ein Schweizer Taschenmesser oder ein gutes Smartphone. Unter Berücksichtigung der Anwendungsfälle sind sie also sehr nützlich und damit "wertvoll". Aus diesem expliziten Beispiel habe ich mir die allgemeine Regel abgeleitet, dass etwas "wertvoll" sein muss, wenn es für eine bestimmte Situation eine hohe Nützlichkeit hat. 2) Die Nützlichkeit immaterielle Bedürfnisse zu befriedigen Stell dir vor, du zögest durch die Wüste. Jemand käme vorbei und böte dir entweder ein Stück Gold oder ein Getränk an. Wofür würdest du dich entscheiden, wenn dir nicht klar wäre, wie lange du noch in der Wüste sein würdest? Wenn du dich für das Getränk entschieden hast, dann hast du das Getränk als "wertvoller" bewertet als das Gold. Warum hast du dich dafür entschieden? Na ja, weil das Getränk in der Situation die höhere Nützlichkeit hatte, immaterielle Bedürfnisse (deinen Durst) zu befriedigen. Wieder wurde die "Wertbemessung" unabhängig von der Seltenheit getroffen, denn in der Wüste wäre sowohl "Gold" als auch "Wasser" selten, global betrachtet ist "Gold" aber viel seltener als "Wasser". Dasselbe gilt natürlich auch für andere Bedürfnisse, deren Befriedigung wir in manchen Situationen als wertvoller erachten als die Folgekosten (z.B. bei Drogen) oder den Preis, den wir unmittelbar für die Befriedigung des Bedürfnisses zahlen. Auch wenn die Mona Lisa letztendlich Gekritzel auf ein Stück Papier ist (verzeih mein Kunstverständnis, es soll an dieser Stelle aber plump klingen, um anschaulich zu sein), so befriedigt sie (oder andere Kunstwerke) unser Bedürfnis nach Kunst, Kultur oder andere Gefühle, die mit Kunstwerken verbinden. Diese immaterielle Bedürfnisbefriedigung ist mein Kriterium, zu beschreiben, warum Kunstobjekte subjektiv wertvoll sein können. Dies schließt natürlich auch andere Dinge wie Musik und so mit ein, die, im Gegensatz zur Mona Lisa, nicht auf ein einziges Objekt begrenzt sind. 3) Die Fähigkeit bestimmte Eigenschaften zu erfüllen Hierunter zähle ich insbesondere die "Geldeigenschaft", die Dinge "wertvoll" macht. Denn, obwohl wir uns darüber einig sind, dass Gold wertvoll ist, konnte es bisher keine der beiden oben genannten Definitionen für "Wertigkeit" erfüllen: -Gold ist im Grunde genommen praktisch nutzlos. Die Hauptnutzung von Gold ist die Schmuckherstellung, die keinem praktischen Nutzen dient -Gold befriedigt keine Bedürfnisse (ich kann es nicht essen) Die "Geldeigenschaft" ist jedoch eine objektive Eigenschaft, auf die du und ich und viele andere uns geeinigt haben, ohne wirklich darüber nachgedacht zu haben. Oder hast du dies schon mal getan? Wenn nicht, hier die Zusammenfassung: Damit sich etwas als "Geld" eignet, muss es folgende Eigenschaften erfüllen: -Austauschbarkeit (dein Stück Gold muss so wertvoll sein wie meins) -Teilbarkeit (inkl. als Recheneinheit verwendbar sein) -Dauerhaftigkeit (das Gold darf nicht verderben) -Transportierbarkeit Gold erfüllt alle diese Eigenschaften besonders gut und ist darüber hinaus auch noch sehr selten. Seltenheit ist ebenfalls eine Eigenschaft, die etwas wertvoll machen kann - aber nicht wertvoll machen muss, wie ich bereits versucht habe zu zeigen. Teil 3 - Fazit und Grenzen *Meine Überlegung führte mich vorerst zu dem Entschluss:* **„Etwas ist wertvoll, wenn es – unabhängig von Seltenheit – einen Nutzen stiftet, der menschliche Bedürfnisse (auch immaterielle) befriedigt. Wert entsteht also durch Bedeutung für das Wohlergehen, nicht durch Knappheit allein.“** Es ist an dieser Stelle besonders wichtig zu erwähnen, dass die Diskussion um den Begriff "Wert" als Abgrenzung vom Begriff "Preis" gestartet wurde. Dinge, denen sich auch schon aus moralischer Sicht kein Preis zuordnen lässt, wie zum Beispiel das Leben, Ökosysteme, etc. sollen daher von der Wertdefinition auch entsprechend ausgeschlossen werden. Natürlich besteht auch die Gefahr, dass wertvolle Dinge wie Beziehungen nach dieser Definition nur dann als "wertvoll" missverstanden werden könnten, solange sie nützen. Dies ist selbstverständlich nicht beabsichtigt. Primär, und das betone ich nochmals, soll es um **eine alltagstaugliche Definition** des Wertebegriffs oder der Wertbemessung gehen, die wir leicht in der Praxis nutzen können, und sich nicht um eine philosophische Abhandlung handeln, die bis ins Detail geht. Aber über Vorschläge, Anregungen, konstruktive Kritik und Kommentare würde ich mich sehr freuen.... Und was ist denn nun mit Bitcoin? Ist Bitcoin jetzt wertvoll oder nicht? Das ist eine Frage, auf die ich an einer anderen Stelle eingehen möchte....
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